Belastung für Allergiker und Asthmatiker

Saharastaub kommt: Putzen sinnlos, lieber schönes Wetter genießen

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Von Autor/in Stefanie Peyk

Das sonnige Wetter bringt auch etwas Saharastaub nach Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Allergiker und Asthmatiker leiden darunter. Photovoltaikanlagen erzeugen weniger Strom.

Wer keine Lust auf Autowaschen oder Fensterputzen hat, braucht kein schlechtes Gewissen zu haben. Man kann der Familie oder den Nachbarn einfach erklären, dass in den kommenden Tagen mit einer höheren Saharastaub-Konzentration in Teilen von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zu rechnen ist.

Ein Couchpotato-Dasein kann man allerdings nicht mit dem Wetterphänomen aus der Wüste rechtfertigen. Sportliche Aktivitäten im Freien oder Spaziergänge sind auch unter diesen Umständen für die meisten Menschen völlig ungefährlich.

Menschen mit asthmatischen Beschwerden und beispielsweise Menschen mit Pollenallergie machen die Staubteilchen aus der Sahara allerdings trotzdem hin und wieder Probleme.

Wetterphänomene Saharastaub und Blutregen

Saharastaub wird seit Jahrhunderten zu uns herübergeweht. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) beobachtet schon lange genau die Sandmengen aus den Wüsten, die auf deutschem Boden messbar sind. Der rote Regen mit Staubteilchen heißt Blutregen.

Eine Milliarde Tonnen Sand weht jedes Jahr aus der Sahara: Wann ist die Wüste leer?

Solaranlagen und Balkonkraftwerke können weniger leisten

Mit modernen Messungen analysiert der Deutsche Wetterdienst Wetterlagen, bei denen Staub aus Nordafrika nach Europa transportiert wird und Photovoltaik-Anlagen dadurch weniger Solarenergie gewinnen können. Dies soll auch dabei helfen, die Prognose, der zu erwartenden Leistungseinbußen während dieser speziellen Wetterlagen zu verbessern.

Saharastaub-Ausbrüche führen in Deutschland etwa 30-, 40-mal im Jahr recht kurzfristig zu einer deutlich geringeren Stromerzeugung aus Photovoltaik.

Was der Saharasand mit sich bringt

Nahezu eine Milliarde Tonnen Sand weht der Wind jedes Jahr von der Sahara weg. Dabei kommt das wenigste der Mineralstaubpartikel bei uns an - mehr davon landet auf den kanarischen Inseln und in Südamerika. Saharastaub ist für die Karibik ein wichtiger Mineraldünger, auch für den südamerikanischen Regenwald. In Europa spielt diese Düngung kaum eine Rolle, weil unsere Böden fruchtbarer sind.

Es ist auch bekannt, dass mit dem Saharasand fremde Pilze und Bakterien bei uns ankommen. Der Regen verdünnt die Konzentration der Mikroorganismen und macht sie weitgehend unschädlich.

Blutschnee und Blutregen mit Saharastaub

In den Alpen verfärben diese Winter-Staub-Stürme dann den Schnee, der noch liegt, rotbraun - Blutschnee sagen die Menschen dazu.

Blutregen heißt es, wenn Niederschlag den Staub aus der Atmosphäre wäscht und die Regentropfen rötlich auf die Erde fallen. Ansonsten werden die Partikel vom Wind auch noch weiter nach Norden getragen.

Saharastaub: Weniger gefährlich als industrieller Feinstaub

Die Sahara ist die größte Quelle von Feinstaub weltweit. Aus ihr alleine stammt die Hälfte der Mineralstaubpartikel. Das was bei uns ankommt, ist auch tatsächlich der Fein- und Feinststaub. Gröbere Sandkörner kommen nicht so weit.

Im Vergleich zu Partikeln aus Verbrennungsprozessen – also Autoabgasen und Rauch aus Schornsteinen – sind die mineralischen Teilchen aber deutlich weniger gefährlich für die Gesundheit von Menschen.

Allergiker und Asthmatiker können Beschwerden bekommen

Menschen mit asthmatischen Beschwerden und beispielsweise Menschen mit Pollenallergie machen die Staubteilchen aber trotzdem hin und wieder Probleme.

Die Partikel aus der Wüste können auch robuste und langlebige Krankheitskeime, die sich an sie dran heften, weit transportieren. Zumindest sind Zusammenhänge zwischen Saharastaub-Ereignissen und Krankheitsausbrüchen in Afrika und Südeuropa dokumentiert.

Wenn es regnet, bildet sich aus den Partikeln ein schmieriger Film
Wenn es regnet, bildet sich aus den Saharasand-Partikeln ein schmieriger Film

Sport im Freien trotz Saharastaub?

  • Da für gesunde Menschen der Saharastaub nach Angaben des Bundesverbands der Pneumologen eher unproblematisch ist, können sie auch ohne Bedenken draußen Sport machen.
  • Anders sieht es hingegen bei Menschen mit Asthma oder mit einer Pollenallergie aus. Sie sollten bei Saharastaub den Sport lieber nach drinnen verlegen. Die Pollen verbinden sich nämlich mit dem Feinstaub in der Luft und werden dadurch aggressiver.
Joggen ist trotz Saharastaub problemlos möglich - allerdings nicht für Asthmatiker.
Joggen ist trotz Saharastaub problemlos möglich - allerdings nicht für Asthmatiker.

Saharastaub aktuell

Auf der Homepage des Umweltbundesamts gibt es für Interessierte Informationen über die Luftqualität in Deutschland vor Ort. Aktuelle Werte gibt es auch in einer kostenlosen App für das Smartphone.

Informationen zu Vorhersagen über Aerosole findet man etwa in den Daten von Copernikus (CAMS), dem europäischen Erdbeobachtungsprogramm, weltweit und für Europa - siehe "Dust Aerosol".

Oder beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT), bei der "Staubvorhersage" des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung.

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Autor/in
Stefanie Peyk
Onlinefassung
Petra Thiele
SWR-Wirtschaftsredakteurin Petra Thiele
Heidi Keller